„Doppelte Anrechnung“ – wo steht’s, wie geht’s?

Immer häufiger erreichen uns Beratungsanfragen von beruflich qualifizierten Studieninteressierten und auch Hochschulmitarbeitern zum Thema Anrechnung von außerhochschulisch erworbenen Kompetenzen.

Unklarheiten und Fragen bestehen insbesondere zu der sogenannten „doppelten Anrechnung“. Damit ist der Fall gemeint, dass eine Person eine Hochschulzugangsberechtigung aufgrund beruflicher Qualifikationen aufweist (beispielsweise einen Meisterabschluss oder eine dreijährige Berufsausbildung nebst drei Jahren Berufserfahrung) und zudem die nachweislich erworbenen Kompetenzen aus dieser beruflichen Vorbildung im Zuge einer Gleichwertigkeitsprüfung auf Studieninhalte angerechnet bekommen möchte.

Die Frage, ob "doppelte Anrechnung" möglich ist, wird durch die „Ländergemeinsame Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2003 i.d.F. vom 04.02.2010“ nicht eindeutig beantwortet. In Teil A: "Allgemeine Regelungen für alle Studienbereiche" wird unter Punkt A 1. "Studienstruktur und Studiendauer" im Unterpunkt 1.3 folgendes ausgeführt:

„Nachgewiesene gleichwertige Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden, sind bis zur Hälfte der für den Studiengang vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

Damit wird eine Obergrenze für die Anrechnung von Kompetenzen definiert.

Für die praktische Anwendung der Strukturvorgaben veröffentlichte das Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder im Jahr 2011 zusätzlich eine Handreichung, die „Auslegungshinweise“ beinhaltet. Dort wird unter dem Punkt „1.3 Anrechnung“ folgender Hinweis zu der oben zitierten Passage gegeben:

„Außerhalb des Hochschulbereichs erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten, aufgrund derer der Zugang zum Studium eröffnet wurde, können zusätzlich auch angerechnet werden.“

Dies bedeutet, dass im Rahmen einer beruflichen Qualifikation erworbene Kompetenzen auch angerechnet werden können, wenn diese Qualifikation als Hochschulzugang verwendet wird. Zurückzuführen sind beide Papiere auf die Lissabon-Konvention von 1997.

Da beim Thema „Anrechnung“ häufig Fragen entstehen, haben wir einige nützliche Links zu Handreichungen und Material zusammengefasst: