AG OHN: Nachhaltigkeit und Projekte

Nachhaltigkeit und Projekte – Umsetzung langfristig sichern
Fünftes Treffen der AG OHN

Das ESF-Förderprogramm „Öffnung von Hochschulen“ stellt eine besondere Anforderung an die Antragstellenden: Jedem Antrag ist ein Nachhaltigkeitskonzept beizufügen, das sich mit der Verstetigung des geplanten Projektes, mindestens aber mit den langfristig verwertbaren Ergebnissen des Projekts, auseinandersetzt. Doch während sich ein Projekt durch zeitliche Befristung auszeichnet, meint der Begriff „Nachhaltigkeit“ vor allem eine längerfristige Wirkung – ein Dilemma?!

Diese Frage beschäftigte die Arbeitsgruppe „Offene Hochschule Niedersachsen“, als sie am 24. August 2016 zum Thema „Nachhaltigkeit von Projekten – Umsetzung langfristig sichern“ zusammenkam.

Dr. Till Manning, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, lässt die Teilnehmenden an der Sicht des Drittmittelgebers auf die nachhaltige Ausgestaltung von Projekten teilhaben. Um die Wirkung der Projektförderung möglichst langfristig zu gestalten, sei Nachhaltigkeit ein fortlaufend mitzudenkender Aspekt. Idealerweise münden vorausschauende Planung und eine aktive Projektbegleitung in der Verstetigung des entwickelten Angebotes.

Vor der Antragstellung: Interesse abklopfen!

Eine Analyse der Bedarfe, Strukturen und Interessen vor Ort erlaubt eine erste Einschätzung der späteren Nachfrage beispielsweise eines Bildungs- oder Beratungsangebotes. Über bestehende Angebote anderer Anbieterinnen und Anbieter im Bilde zu sein hilft, die Einzigartigkeit des eigenen Projektes abzuschätzen und den Konkurrenzdruck zu beurteilen. Eine gute Vernetzung ist bei der Gewinnung von Teilnehmenden über ortsansässige Unternehmen, Verbände und Vereine von Vorteil. Ergänzend sollte eine Strategie zur Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet werden, um Interessierte zielgruppengerecht anzusprechen.

Während der Projektdurchführung: Teilnehmende akquirieren und Verlauf beobachten!

Begleitende Öffentlichkeitsarbeit informiert Interessierte über das bestehende oder geplante Angebot. Ein inhaltlicher Austausch mit anderen Akteuren und Akteurinnen kann neue Perspektiven und Kontakte zur Weiterentwicklung des Angebotes schaffen. Wege und Möglichkeiten der Verstetigung lassen sich mit anderen Projektträgerinnen und -trägern diskutieren. Auch ein Blick auf die gesteckten Ziele und Meilensteine ist sinnvoll: Gegebenenfalls müssen Anpassungen an aktuelle und nichtvorhersehbare Gegebenheiten vorgenommen werden!

Nach dem Projektende: Verstetigung und Ergebnisverbreitung!

Was ist gut gelaufen? An welchen Punkten hat es gehakt? Welche Herausforderungen müssen in jedem Fall mitgedacht werden? Künftige Vorhaben können von den Projektergebnissen profitieren und sollten daher unbedingt Zugang zu den gewonnenen Erkenntnissen erhalten. Wenn ein Angebot finanziell nicht weitergetragen werden kann, können die Inhalte und Strukturen vielleicht an anderer Stelle verortet werden.

Monika Henne, pädagogische Mitarbeiterin der Akademie Waldschlösschen, zeigt an ihrem Projekt, dass die Konzeptentwicklung und Erprobung einer Weiterbildungsmaßnahme sehr erfolgreich und mit sehr gutem Feedback seitens der Teilnehmenden bewältigt wurde. Ein Teil der Fördermittel wurde dabei zur Kofinanzierung der Teilnehmendenbeiträge für die Weiterbildung genutzt, was sich zunächst als eine Hürde für die Verstetigung des Weiterbildungsangebots auswirkt. Als eine weitere Hürde benennt sie die Termindichte der Weiterbildungsmodule innerhalb eines Jahres. So beschreibt sie den ohne Projektförderung gestalteten Weiterentwicklungsprozess der Bildungsmaßnahme: Zentrale Ausgangspunkte für die Veränderungen waren die von den Teilnehmenden oder Arbeitgebenden finanzierbaren Kosten sowie die Bereitschaft der Arbeitgebenden, ihre Beschäftigten für eine Teilnahme an der Weiterbildung freizustellen. Beides führte dazu, dass die Weiterbildung zeitlich gestreckt, in einer kleineren Gruppe und mit reduziertem Einsatz von Lehrenden geplant wird. Monika Henne fasst die Erfolgskriterien für die Verstetigung eines Projektes so zusammen: Die Antragstellenden müssen zu 100 Prozent hinter dem Inhalt des Projektes stehen und ein Thema nicht nur spannend finden, weil es gerade Geld dafür gibt. Ebenfalls ist notwendig, dass das Projektvorhaben zur antragstellenden Einrichtung passt. Dann findet sich auch ein Weg, das Projektergebnis in das Angebotsportfolio der Einrichtung einzugliedern und nachhaltig zu etablieren.

Sabine Bertram, Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsen e. V., und Viola Schumann, Volkshochschule Region Lüneburg, weisen mit ihrem Bericht über ein gerade gestartetes Projekt, in dem ein Zertifikatsstudium für Berufstätige im Arbeitsbereich Kindertagesstätte entwickelt wird, auf eine weitere Möglichkeit für nachhaltige Projektergebnisse hin. Die berufsbegleitende Weiterbildung soll von einer Akkreditierungsagentur für Studiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales wie ein üblicher Hochschulstudiengang akkreditiert werden, um dann als Zertifikatsstudium angeboten zu werden. Über diesen Weg erhält die Weiterbildung eine formale Anerkennung und es soll für Teilnehmende möglich sein, die im Zertifikatsstudium erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales anrechnen zu lassen. Darüber hinaus soll der Zertifikatsstudiengang in die seit Jahren bestehenden Strukturen von vhsConcept eingebettet werden. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, dieses Angebot gleichartig und gleichwertig in einem Verbund von 57 Volkshochschulen landesweit anzubieten.

Die Arbeitsgruppe „Offene Hochschule Niedersachsen“ ist eine gemeinsam organisierte Veranstaltungsreihe der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) und der Servicestelle Offene Hochschule Niedersachsen gGmbH. Das nächste Treffen findet am 16. März 2017 statt. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!