ANKOM Abschlusstagung

Erneut endet ein Förderzeitraum für 20 Projekte, die sich in den Jahren 2012 von 2014 bundesweit mit verschiedenen Aspekten der Übergänge von der beruflichen in die hochschulische Bildung beschäftigten. Die Servicestelle Offene Hochschule Niedersachsen hatte Kontakt zu einzelnen Projekten, sowie zum Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), welches für die wissenschaftliche Begleitung der Initiative verantwortlich ist. Am 24./25. Juni 2014 waren wir zu Gast in Berlin und haben aktiv mitgewirkt:

Bei der ANKOM-Abschlusstagung „Übergänge in die Hochschule gestalten – Visionen für 2025 entwickeln“. In verschiedenen Workshops wurden die Ergebnisse der Einzelprojekte diskutiert und vom anwesenden Fachpublikum aufmerksam verfolgt. Ergänzt wurden die Beiträge durch externe Impulse weiterer Experten. Das Programm und die Dokumentation der ANKOM finden Sie hier.

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Foto Quelle: Moussa Hakal (DZHW)

Ein Bericht aus dem Goldfischglas

Im Folgenden berichten wir über die beiden Workshops zum Thema "Beratung & Information", die Monika Hartmann-Bischoff im Rahmen der ANKOM-Veranstaltung leitete. Mit der Fishbowl-Methode wurden viele sehr gute Beiträge erarbeitet. 

Zwei Workshops: „Beratung & Information“ mit der Fishbowl-Methode

Fishbowl-Methode bedeutet, dass nach zwei Impulsen/Anregungen im Workshop eine moderierte Diskussion in der fishbowl stattfindet. Zu den Impulsgebern kommen zwei bis drei weitere Personen aus dem Auditorium nach vorne, um im Stuhlkreis Platz zunehmen und ihre Fragen ganz offen zu diskutieren. Ist die Diskussion der Fragestellung/des Gedankens beendet, verlässt diejenige Person das „Goldfischglas“. Nach zwei weiteren Impulsen folgt erneut eine moderierte Diskussion zu diesen Impulsen im fishbowl vor dem Auditorium. Um Fragen und Gedanken mit dem Blick auf alle vier Impulse zu diskutieren, folgt eine dritte fishbowl mit weiteren Teilnehmenden aus dem Auditorium. Ziel dieser Methode ist ein Wechsel zwischen kurzen Impulsen, sich darauf beziehenden Nachfragen und Gedanken sowie ein aufeinander bezogener Austausch derjenigen, die in dem fishbowl miteinander sprechen.

  • Workshop 1 „Studieninteressierten Orientierung geben“

Die Teilnehmenden erwartete zunächst ein interessanter Vortrag zu den Möglichkeiten und der Umsetzung des Ansatzes „Blended Counselling“. Stefanie Brunner, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, berichtete über die Erfahrungen mit der Verknüpfung von Online-Elementen und persönlicher Beratung (im folgenden face-to-face-Beratung genannt), die an das Konzept Blended Learning anschließt. Für (beruflich qualifizierte) Studieninteressierte ergibt sich die Möglichkeit, orts- und zeitunabhängig sowie gut angeleitet die für sie relevanten Informationen und Fragestellungen zu finden. In einem weiteren Impuls erläuterte Jens Thielser, TÜV Rheinland Akademie, ein Online-Assessment für beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Das Tool hilft Studieninteressierten ihre eigenen Mathematik-Kenntnisse mit den im Ingenieur-Studium erwarteten Kenntnissen zu vergleichen und zu bewerten. Die erste Diskussionsrunde im fishbowl, die seitens des Auditoriums sehr rege angenommen wurde, fokussierte auf die Chancen und Risiken von Online-Tools im Prozess der Orientierung und Beratung von Studieninteressierten sowie dem Zeitpunkt und der Art und Weise einer Einbettung in face-to-face-Beratung.

Im dritten Impuls stellte Bernd Heide-von Scheven, Fachhochschule der Diakonie Bielefeld, die „virtuelle Gasthörerschaft“ vor. Dieses Online-Tool ist mit Blended-Learning-Anteilen gefüttert und eine Art virtuelles Schnupperstudium. Es ermöglicht Studieninteressierten einen Einblick in Studieninhalte und gibt Orientierung. Anschließend erklärte Dr. Tobias Sander, Hochschule Hannover, unter dem Titel „Habitussensibilität in der begleitenden Beratung“ die Beratungsleistungen für Studierende, die aus einem mehrschrittigen face-to-face-Beratungsprozess besteht, der die soziale (Nicht-)Passung von Habitus und dem Feld Hochschule aufgreift. Im zweiten fishbowl standen erneut die unterschiedlichen Vor- und Nachteile von face-to-face-Beratung sowie Online-Tools im Zentrum der Diskussion. Diese Phase ging nahtlos in die dritte fishbowl über, in der die Gelingensbedingungen für die Beratung von Studieninteressierten zusammengetragen wurden; das sind vor allem:

das Betrachten und Einbeziehen der (Berufs-)Biografie, die Ressourcenorientierung, die Wertschätzung der vorhandenen Qualifikationen und Kompetenzen. In der Diskussion zeigte sich schnell, dass die Beteiligten sich im Beratungsverständnis darin unterschieden, ob sie eine eher defizit- oder eher ressourcenorientierte Herangehensweise an die Beratung Studieninteressierter vertreten.

  • Workshop 2 „Hochschulstrukturen bilden und verändern“

Im ersten Impuls informierte Katrin Dinkelborg, Hochschule Osnabrück, über die Veränderung der Fachstudienberatung am Standort Lingen. Dort entstand eine Verbindung zwischen Fachstudienberatung (an der Hochschule) und Personalentwicklungs- und Organisationsberatung (in Unternehmen), was eine veränderte Rollenwahrnehmung der Studienberater(innen) zur Folge hatte. Der zweite Impuls von Anne Schreiber, Karlsruher Institut für Technologie, verdeutlichte die Schwierigkeiten bei der Etablierung einer zielgruppenspezifischen Beratung für beruflich qualifizierte Studierende an einer großen traditionsreichen Universität. Im anschließenden ersten fishbowl standen in einer lebhaften Diskussion die völlig unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Hochschulkulturen für die Beratung von Studieninteressierten aus den beiden Impulsen im Vordergrund.

Ute Meyer, Universität Hamburg, sowie Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt, Private Fachhochschule Göttingen, stellten so dann in ihren externen Impulsen die vielfältigen individuellen face-to-face-Beratungen sowie einzelne Gruppeninformationen und Peer-Beratungen für beruflich Qualifizierte vor. In den beiden folgenden fishbowls fokussierte die Diskussion die Faktoren und Rahmenbedingungen für die Strukturbildung von Beratung an Hochschulen. Insbesondere die orientierende Information vor dem Studium, einzeln oder in Gruppen, sowie die studienbegleitende Beratung in Kleingruppen sind Formate, die von beruflich qualifizierten Studieninteressierten sowie Studierenden gerne angenommen werden.

  • Fazit

Die beteiligten Projekte haben eine Reihe gute zielführende Ansätze entwickelt und teilweise bereits erprobt. Die Diskussionen im Goldfischglas brachten einige „Aha“-Effekte und die Zuhörer im Auditorium bekamen vertiefte Einsichten in die komplexe Realität von Beratung und Orientierung von Studieninteressierten. Dabei war es spannend, die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit von Organisationsformen mitzuerleben. Es gab sehr gute Praxisbeispiele, die möglicherweise von anderen Hochschulen übernommen, angepasst und weiterentwickelt werden.