Online-Befragung beruflich qualifizierter Studieninteressierter mit und ohne Abitur - Teil 2

Beruflich Qualifizierte - Ihre Arbeitssituation und ihr Interesse an Weiterbildung

Der erste Bericht zur Online-Befragung beruflich qualifizierter Studieninteressierter thematisierte, wie bekannt die Offene Hochschule Niedersachsen sowie die damit verbundenen Möglichkeiten mit beruflichen Qualifikationen zu studieren sind. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Kenntnis insbesondere über die Hochschulzugänge mittels Meisterbrief, Aufstiegsfortbildung oder eben dreijähriger Ausbildung nebst drei Jahren Berufserfahrung in der Zielgruppe der Berufstätigen mit genau diesen Qualifikationen bei gut Zweidrittel der Befragten vorhanden ist.

Von der Offenen Hochschule Niedersachsen haben immerhin 66% der beruflich Qualifizierten schon einmal gehört, wobei sich nur 25% auch schon weitergehend zur Offenen Hochschule informiert haben. Der Vergleich mit einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe zeigt, dass die grundlegenden Informationen über die Möglichkeiten in der Gruppe der beruflich Qualifizierten damit deutlich weiter verbreitet sind. Allerdings stellen sich dann die Fragen, was diese Personengruppe der beruflich Qualifizierten eigentlich auszeichnet, welche Interessen sie haben und vor allem: wer aus dieser Gruppe die Möglichkeiten auch nutzen will?

Die Online-Befragung richtete sich gezielt an beruflich Qualifizierte in Niedersachen, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und im Besitz eines Hochschulzuganges durch berufliche Ausbildung sind oder sich zumindest aktuell auf dem Weg dorthin befinden. Um diese Gruppe der Berufstätigen besser zu erreichen, wurde unter anderem erfasst, welche Schul- und  Qualifikationsstufe die Befragten besitzen und wieviel Berufserfahrung vorliegt. Von den 1000 Befragten sind 59% im Besitz der Mittleren Reife, 9% haben die Hauptschule besucht und 30% haben das Abitur oder die Fachhochschulreife.

Bei den Berufsabschlüssen wurden Quoten vorgegeben. So haben 80% der Befragten eine mindestens dreijährige Ausbildung absolviert. Weitere 20% der Befragungsteilnehmer sind darüber hinaus im Besitz eines Meister- oder Aufstiegsfortbildungsabschlusses. Von den Befragten haben 55% zwischen 5 und 20 Jahren Erfahrung im Berufsleben und knapp 30% der Befragten sind seit 1 bis 4 Jahren berufstätig.

Spannend für uns war zudem die Frage, in welchen Branchen die Zielgruppe tätig ist und welchen Aufgabenbereichen sie in den Unternehmen zugeordnet sind (siehe Abbildung 1, Aufgabenbereich und Abbildung 2, Branche des Unternehmens).

Die Daten zur Branchenaufteilung zeigen anschaulich, dass tatsächlich Niedersachsen in der Online-Befragung erreicht wurden. Mit der Automobil-Branche sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen sind zwei der kennzeichnenden Branchen für das Land Niedersachsen auch die häufigsten Heimatbranchen der Befragten. Bei den Aufgabenbereichen sticht der Bereich Finanzen, Rechnungswesen, Controlling etwas heraus. Insgesamt zeigt sich aber bei beiden eine breite Streuung über die unterschiedlichen Kategorien.

Diese Informationen sind nicht nur für uns und andere Stellen von Belang, die im unmittelbaren Beratungskontakt mit der Zielgruppe stehen. Auch für Anbieter von Bildungsangeboten bieten sie eine gute Grundlage bei der Entscheidung, in welchen thematischen und fachlichen Bereichen die Entwicklung von Angeboten wie Studiengängen, Zertifikatskursen oder Weiterbildungen in einem ersten Schritt sinnvoll und mit welchen Unternehmen und Verbänden im eigenen regionalen Umfeld gemeinsame Gespräche zur bedarfsgerechten Entwicklung von Angeboten zielführend sein könnten.

Für die Ausrichtung der Beratung und auch des Angebotes ist neben der Arbeitssituation der Zielgruppe vor allem deren geäußertes Interesse relevant. Wir haben daher die Frage, an welcher Art von Weiterbildung die Studieninteressierten aus der Zielgruppe konkret interessiert sind, im Online-Fragebogen untergebracht (siehe Abbildung 3, Interesse an Weiterbildungsangeboten).

Zum Vergleich sind auch die Angaben der repräsentativen Bevölkerungsstichprobe in der Grafik zu sehen (blau gefärbt). Es zeigt sich, dass beruflich Qualifizierte ein grundsätzlich höheres Interesse an Weiterbildungsmöglichkeiten haben als der Bevölkerungsschnitt. Auffällig ist außerdem, dass das größte Interesse an beruflichen und innerbetrieblichen Weiterbildungen besteht. Aber auch immerhin  36% der Befragten interessieren sich bei der Frage mit Mehrfachantworten für ein Studium. Hoch ist zudem das Interesse an Angeboten der Erwachsenenbildung, lediglich das Interesse an Wissenschaftlichen Weiterbildungen auf akademischem Niveau ist mit 20% etwas geringer ausgeprägt.

Da Studienformate sich untereinander z. T. grundlegend unterscheiden, wurden die 36% der Befragungsteilnehmer, die sich explizit zu diesem Zeitpunkt der Befragung für ein Studium interessierten im nächsten Schritt gefragt, welches der unterschiedlichen Formate für sie von Interesse ist (siehe Abbildung 4, Interesse an Studienformaten).

Dabei wird messbar deutlich, was sich in der Beratung und auch in anderen Befragungen, wie beispielsweise der Untersuchung „Studieren (auch ohne Abitur) -  Absichten und Erwartungen von Auszubildenden“ (.PDF) der IHK Hannover regelmäßig äußert: Ein Großteil der beruflich qualifiziert Studieninteressierten ist auf der Suche nach Angeboten, die mit ihrer Berufstätigkeit vereinbar sind. Ob dies speziell konzipierte berufsbegleitende Angebote, Teilzeit Studiengänge an einer Hochschule vor Ort oder Fernstudiengänge sind, ist dabei weniger entscheidend, wichtig ist die Vereinbarkeit von Studium und Berufstätigkeit.

Wie wichtig gerade diese Frage ist, äußerte sich auch in den Angaben der Befragungsteilnehmer zu ihrem Beratungsbedarf. Knapp 71% aller Befragten haben dazu Auskunft gegeben. Gefragt wurden lediglich diejenigen Personen, die bereits studieren (6%), die klare Absicht haben, in den nächsten 2 Jahren ein Studium zu beginnen (20%) oder sich zumindest grundsätzlich für ein Studium interessieren, aber noch keine konkrete Absicht haben (45%). Hier zeigt sich, dass die Finanzierung des Studiums mit 61% knapp vor der Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Privatleben den größten Beratungsbedarf darstellt. Auf Platz 3 und 4 mit jeweils knapp 45% folgen Fragen zur Hochschulzugangsberechtigung und zur Wahl der Studienrichtung. Dies sind Fragen, die zumindest uns in der Servicestelle in der täglichen Beratung begegnen. Wir finden es wichtig, sich mit diesen Beratungsbedarfen auseinanderzusetzen und sich zu all diesen Punkten auch auf dem aktuellen Kenntnisstand zu halten, wenn man beruflich Qualifizierte konstruktiv unterstützen will (siehe Abbildung 5, Beratungsbedarf bei Studieninteresse).

Darüber hinaus konnten die Befragten auch dazu Auskunft geben, wie wichtig ihnen die Möglichkeit zur Anrechnung ihrer beruflichen Kompetenzen und Qualifikationen auf ein Studium ist und wie wahrscheinlich sie Vorbereitungs- und Brückenkursangebote im Vorfeld und zu Beginn eines Studiums nutzen würden (siehe Abbildung 6, Relevanz der Anrechnung beruflicher Qualifikationen bei Studienentscheidung und Abbildung 7, Interesse an Übergangs- und Vorbereitungskursen bei Aufnahme eines Studiums).

Fasst man die Top-2-Werte zusammen, wird ersichtlich, dass für knapp 80% der Befragten eine Anrechnung ihrer beruflichen Qualifikationen wichtig ist. Und immerhin 62% der Befragten geben an, dass sie sehr wahrscheinlich bis wahrscheinlich spezielle Vorbereitungsangebote auf ein Studium nutzen würden.

Obwohl sich zumindest bis hierher angesichts des großen Interesses an Weiterbildung und Studium ein insgesamt recht positives Bild zeichnen lässt, stellt sich doch noch einmal explizit die Frage, wieso die Zahl derer, die bereits an den Hochschulen ankommen, zwar ansteigt, wie uns Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern von Hochschulen zeigen, es aber insgesamt nur ein Bruchteil von denjenigen ist, die könnten und die ein immerhin konkretes Interesse äußern (immerhin jeder Dritte aus der Zielgruppe interessiert sich für ein Studium). Darum haben wir die beruflich Qualifizierten, die ein Studium schon explizit für sich ausgeschlossen haben, auch genau danach gefragt. Auf diese Weise wollten wir herausfinden, welche Hinderungsgründe es tatsächlich gibt, die auch bei den grundlegend Studieninteressierten aus der Zielgruppe noch dazu führen können, dass es entgegen der eigentlichen Absicht, nicht zum Schritt an die Hochschule kommt (siehe Abbildung 8, Gründe für das Fernbleiben vom Studium).

Bei den Antworten zeigt sich, dass vor allem die unklare Vereinbarkeit mit der Familie und dem Beruf dazu führt, dass die möglichen akademischen Fachkräfte von morgen von einem Studium absehen. Auch finanzielle Fragen spielen eine Rolle, sind aber den organisatorischen Problemen deutlich nachgeordnet.

Insgesamt zeigen uns die Befragungsergebnisse, dass es weiterhin notwendig ist, systematisch über die im Rahmen der Offenen Hochschule Niedersachsen gebotenen Möglichkeiten für ein Studium mit beruflichen Qualifikationen zu informieren. Deutlich wird aber auch, dass Beratungsstellen aber auch Bildungsanbieter über die Bedarfe der Zielgruppe informiert werden, damit zunehmend passgenaue Angebote entwickelt und unterbreitet werden können.

Abbildung 1 "Branche des Unternehmens" Abbildung 1 "Branche des Unternehmens" Abbildung 2 "Aufgabenbereich" Abbildung 2 "Aufgabenbereich" Abbildung 3 "Interesse an Weiterbildungsangeboten" Abbildung 3 "Interesse an Weiterbildungsangeboten" Abbildung 4 "Interesse an Studienformaten" Abbildung 4 "Interesse an Studienformaten" Abbildung 5 "Beratungsbedarf bei Studieninteresse" Abbildung 5 "Beratungsbedarf bei Studieninteresse" Abbildung 6 "Relevanz der Anrechnung beruflicher Qualifikationen bei Studienentscheidung" Abbildung 6 "Relevanz der Anrechnung beruflicher Qualifikationen bei Studienentscheidung" Abbildung 7 "Interesse an Übergangs- und Vorbereitungskursen bei Aufnahme eines Studiums" Abbildung 7 "Interesse an Übergangs- und Vorbereitungskursen bei Aufnahme eines Studiums" Abbildung 8 "Gründe für das Fernbleiben vom Studium" Abbildung 8 "Gründe für das Fernbleiben vom Studium"