Die Offene Hochschule Niedersachsen

Die Offene Hochschule Niedersachsen ist ein von allen entscheidenden Akteuren getragenes gesellschaftspolitisches Vorhaben. Zweck dieses Vorhabens ist die Öffnung der niedersächsischen Hochschulen für neue Zielgruppen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Gruppe der beruflich Qualifizierten. Dazu zählen unter anderem

  • Berufstätige, die eine Hochschulzugangsberechtigung besitzen (bspw. das Abitur), aber noch keine akademische Ausbildung begonnen haben,
  • Meister, staatl. geprüfte Techniker und Betriebswirte sowie Absolventen eines anerkannten Fortbildungsabschlusses (§53 und §54 des Berufsbildungsgesetzes, §42 und §42 a der Handwerksordnung), die durch ihre berufliche Qualifikation eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzen sowie
  • die Gruppe der sogenannten 3+3er, also der vielen Menschen in Niedersachsen, die durch eine anerkannte dreijährige Berufsausbildung sowie mindestens drei Jahre Berufserfahrung seit der letzten Novelle des Hochschulgesetztes im Jahr 2010, im Besitz einer fachgebundenen Hochschulzugangsberechtigung sind.
Studenten sitzen auf dem Campus Rasen.

Studieninteressierte mit und ohne Abitur ...

… sind an der Offenen Hochschule Niedersachsen herzlich willkommen.

Mit der Öffnung der Hochschule für neue Zielgruppen soll unter anderem dem wachsenden Fachkräftemangel begegnet werden, der sich durch den demographischen Wandel noch einmal verschärft. Die beruflich Qualifizierten sind ein großes und noch nicht ausreichend genutztes Potential für die akademisch ausgebildeten Fach- und Führungskräfte von morgen.

Bereits seit 2005 werden durch die vom Bund geförderte ANKOM-Initiative (Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge) thematisch ähnliche Projekte an Universitäten und Hochschulen unterstützt. Im Rahmen der Offenen Hochschule Niedersachsen sollen die lokalen Ergebnisse und Erfahrungen gesichert und weiterentwickelt werden.

Im niedersächsischen Modellvorhaben von 2008 bis 2012 wurde an den vier Universitäts-Projektstandorten Hannover, Braunschweig, Lüneburg und Oldenburg an der konkreten Umsetzung der Projektziele gearbeitet. Die Ziele waren die

  • Öffnung der Hochschulen für neue Zielgruppen durch spezielle Studienangebote für Berufstätige,
  • Erleichterung von Übergängen zwischen beruflicher und Hochschulbildung durch Anrechnung von Kompetenzen sowie
  • Einbindung von Angeboten aus der Erwachsenen-/Weiterbildung in die Hochschulbildung.

Ergänzend zu den hochschulseitigen Projekten werden seit 2011 vom Land Niedersachsen auch Projekte von Erwachsenenbildungsträgern gefördert, die in Kooperation mit niedersächsischen Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern sowie Hochschulen den Übergang aus dem Beruf in ein Studium attraktiver gestalten sollen.

Die 2012 gegründete Servicestelle Offene Hochschule Niedersachsen gGmbH stellt den nächsten Schritt dieser kontinuierlichen Entwicklung hin zu einer weit reichenden Öffnung der Hochschulen dar. Wir als Servicestelle haben im Rahmen der Offenen Hochschule Niedersachsen gleich mehrere Aufgaben:

  1. Wir beraten Studien- und Weiterbildungsinteressierte bei Fragen zum Hochschulzugang, der Studienvorbereitung sowie der Anrechnung.
  2. Wir informieren durch unsere Angebote darüber hinaus Hochschulen, Betriebe und die allgemeine Öffentlichkeit über die Offene Hochschule.
  3. Wir sorgen durch regelmäßige Veranstaltungen und Treffen für einen Austausch zwischen allen beteiligten gesellschaftspolitischen Akteuren.
  4. Wir erheben die Bedarfe der Studieninteressierten sowie Unternehmen und stoßen die modellhafte Entwicklung von Weiterbildungsangeboten an.

Zur Erklärung des Begriffes „Offene Hochschule“ finden Sie hier einen Kurzfilm, der im Rahmen des Modellprojektes Offene Hochschule Niedersachsen in Lüneburg entstanden ist.

Auszubildende liest Flyer der Servicestelle.

Zur Erhöhung der Durchlässigkeit des Bildungssystems …

… und Öffnung der Hochschulen gibt es viele Initiativen: Hier sind Auszubildende von VW Nutzfahrzeuge bei einer Informationsveranstaltung über Möglichkeiten nach der Ausbildung ein Studium aufzunehmen.

Warum wurde in Niedersachsen der Hochschulzugang für weitere Gruppen ermöglicht?

Die Gründe für die weitere Öffnung der Hochschulen gehen auf verschiedene gesellschaftliche Diskussionen zurück:

  • Aktuell wird die Hochschulbildung für beruflich Qualifizierte als ein Mittel gegen den wachsenden Fachkräftemangel eingeschätzt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die es auf einem angespannten Fachkräftemarkt schwer haben mit großen Unternehmen zu konkurrieren, haben so die Möglichkeit eigene Mitarbeiter für Tätigkeiten weiter zu qualifizieren.
  • Seit den 1960er Jahren wird über die Chancengleichheit im Bildungssystem diskutiert. Im Kontext dieser Diskussion wird die Forderung nach Öffnung der Hochschulen für Personen mit anderen Bildungswegen als dem Abitur erhoben und umgesetzt. Schlagworte sind hier die Zulassungsprüfung, Hochschulzugänge für Meister, staatlich geprüfte Techniker und Betriebswirte sowie Personen mit bestimmten anerkannten Fortbildungsabschlüssen.

Die unterschiedlichen Säulen unseres Bildungssystems (Schulische Bildung, Berufliche Bildung, Hochschulbildung, Fort- und Weiterbildung) sind stark voneinander getrennt organisiert. Beeinflusst durch die Haltung, jeden Menschen in der Entwicklung seiner Kompetenzen bestmöglich zu fördern, wird die Forderung nach mehr und besserer Durchlässigkeit zwischen den Säulen des Bildungssystems erhoben.