Fragen aus der Praxis

Fachgebundene Zulassung aufgrund beruflicher Vorbildung
(§ 18 Abs. 4 S. 2 Nr. 1 NHG)

„Ist ein Ausbildungsabschluss noch gültig, wenn die Ausbildung aktualisiert wurde?“

Ja, Ausbildungen verlieren mit der Neuordnung nicht ihre Gültigkeit.

Die Kolleginnen und Kollegen an den Hochschulen des Landes stehen mit der Neuerung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG) seit 2010 neuen Herausforderungen und Fragen gegenüber. So stellt sich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zulassungsstellen beispielsweise folgende Frage:

„Ist ein Ausbildungsabschluss noch gültig wenn die Ausbildungsordnung aktualisiert wurde?“


Ein Beispiel:

Eine Arzthelferin, die ihre Ausbildung im Jahr 2005 abgeschlossen und mindestens drei Jahre in diesem Beruf gearbeitet hat, bewirbt sich auf ein Medizinstudium. Im Jahr 2006 ist allerdings eine neue Ausbildungsordnung (AVO) in Kraft getreten:

  • Arzthelferinnen heißen nun Medizinische Fachangestellte (MFA)
  • Strukturell gab es beispielsweise Veränderungen in einer neuen zeitlichen Gliederung der Ausbildung.

Darf diese Bewerberin mit einer Ausbildung, die vor der Neuordnung datiert ist, überhaupt zugelassen werden?

 

Die Servicestelle hat nachgefragt und recherchiert:

Expertinnen und Experten aus der beruflichen Bildung bestätigen: Bereits erworbene Ausbildungsabschlüsse verlieren mit der Neuordnung nicht ihre Gültigkeit.

Die Ausbildungsordnungen vergangener Jahre bleiben auch nach einer Novellierung im Berufsfeld anerkannt. Absolventen von anerkannten Berufsausbildungen haben berufliche Handlungskompetenzen erlangt, die sie mit entsprechender Berufserfahrung berechtigen, ein Studium aufzunehmen. Neu geordnete Ausbildungen – mit zum Beispiel veränderten Prüfungsformen, Organisationsmodellen, aktualisierten Inhalten oder Bezeichnungen – verändern diese Tatsache grundsätzlich nicht.

Letztlich erwerben beruflich Qualifizierte mit ihrem Ausbildungsabschluss und ihrer Berufserfahrung eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung. Diese bedingt noch keine Anrechnung auf Studieninhalte. In der Frage der (pauschalen) Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Studieninhalte müsste folglich im Falle einer Neuordnung der Ausbildung tatsächlich eine erneute Überprüfung der Äquivalenz in Inhalt und Niveau durchgeführt werden.

 

Bleiben wir bei dem Beispiel:

Bei der neuen Ausbildungsordnung für die/den Medizinische/n Fachangestellte/n handelt es sich nicht um einen neuen Beruf, auch die Inhalte der Ausbildung wurden nicht grundlegend geändert. Ziel der Neuordnung war, wie in vielen anderen anerkannten Ausbildungsberufen auch, die Ziel-, Kompetenz- und Handlungsorientierung bereits in der Ausbildung deutlich zu stärken.

Die Ärztekammer Niedersachsen und die Bundesärztekammer äußern sich zur neuen Ausbildungsordnung auf ihren Internetseiten:

  • Das neue Berufsbild passt sich an die Erfordernisse einer sich wandelnden, modernen Patienten- und Gesundheitsversorgung an.
  • Die berufliche Handlungsfähigkeit steht im Zentrum der Berufsbildung.
  • Arzthelferinnen und Arzthelfer können sich grundsätzlich Medizinische/r Fachangestellte/r nennen.
  • Arzthelferinnen und Arzthelfer können sich auf entsprechende Stellenangebote von Medizinischen Fachangestellten bewerben.
  • Beide Abschlüsse bzw. Berufsbezeichnungen sind gleichwertig.

Tipps für die Praxis

Mitarbeitende in den Hochschulen:

Wenn die Zuordnung von Ausbildungsberufen zu ihren jeweiligen Ausbildungsberufen Schwierigkeiten bereitet, gibt es verschiedene Informationsquellen:

Grafische Übersicht der Ausbildungen Arzthelferin/MFA

Genealogie Beispiel der Arzthelferin/MFA

Quelle: http://www.bibb.de/de/berufeinfo.php/genealogy/n233444

  • BIBB-Berufssuche bietet auf den einzelnen Berufe-Seiten Hintergrundinformationen, Rechtsgrundlagen und eine „Genealogie“ zur Entwicklung des Berufes
  • Die BerufeNET-Datenbank (http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/ ) der Bundesagentur für Arbeit enthält auch Ausbildungen, deren Ausbildungsverordnungen nicht mehr gültig sind und verweist auf die entsprechenden Nachfolgeberufe.
  • Nicht mehr gültige Ausbildungsverordnungen und zugehörige Rahmenlehrpläne sind im Bundesgesetzblatt recherchierbar.
  • Wenn Sie unsicher sind wenden Sie sich an die Berufe-Expertinnen und -Experten des BIBB oder die jeweils zuständigen Kammern.

 

Studieninteressierte:

Um die Entscheidung der Hochschule nachvollziehen zu können, lassen Sie sich von der zuständigen Zulassungsstelle eine schriftliche Auskunft ausstellen, die eine Begründung der Entscheidung und Rechtsgrundlagen dieser Entscheidung enthält.


Quellen

Ärztekammer Niedersachsen: Ausbildungsverordnung, -rahmenplan, Berufsbezeichnung [MFA].
https://www.aekn.de/mfa/ausbildung/ausbildungsverordnung-rahmenplan-berufsbezeichnung/, abgerufen am 10.03.2015

Ärztekammer Niedersachsen, Sachgebiet Medizinische Assistenzberufe

Bundesärztekammer: Medizinische Fachangestellte: Umstellung in den Arztpraxen.
http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=1.99.3478.6762.10212, abgerufen am 10.03.2015

Industrie- und Handelskammer Hannover, Abteilung berufliche Bildung

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): https://www.bibb.de/de/index.php

 

Das Team der Servicestelle freut sich über Feedback und hilft Ihnen bei Fragen gerne weiter.