Was ist bei zulassungsbeschränkten Studienangeboten zu beachten?

Die Vergabe von zulassungsbeschränkten Studienplätzen ist in Niedersachsen durch die Verordnung über die Vergabe von Studienplätzen durch die Hochschulen (Hochschul-Vergabeverordnung) geregelt.

Hier ist unter anderem festgeschrieben, dass von der Gesamtzulassungszahl eines Studiengangs vorab Sonderquoten abgezogen werden müssen. Diese Sonderquoten betreffen Ausländer (5%), Härtefälle (2%) und Zweitstudierende (3%). Darüber hinaus gibt es auch eine „Berufsqualifiziertenquote“, die für all jene Personen gilt, die einen Hochschulzugang gemäß § 18 Abs. 4 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes haben, also einen Hochschulzugang (allgemein und fachgebunden) aufgrund beruflicher Qualifikationen besitzen. Die Berufsqualifiziertenquote unterscheidet sich jedoch von den anderen Vorab-Quoten insofern, als dass sie keine absolute Quote ist (2, 3 oder 5 %), sondern sie „bis zu“ 10 % betragen kann, weil sie das Ergebnis eines Verhältnisses ist. Betrachtet wird der Anteil der Bewerber gemäß § 18 Abs. 4 Niedersächsisches Hochschulgesetz im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Bewerber für einen Studiengang.   

D. h. konkret, wenn sich insgesamt 1000 Personen für einen Studiengang bewerben und davon 100 Personen einen Hochschulzugang über berufliche Qualifikationen aufweisen, dann liegt deren Anteil (100 von 1000) bei 10%. Wenn für diesen Studiengang 200 Bewerber zugelassen werden, würden in diesem Fall 10%, also 20 Personen mit einem Hochschulzugang über berufliche Qualifikation zugelassen. Wenn von den insgesamt 1000 Bewerbern sich allerdings nur 50 Berufsqualifizierte bewerben, fällt die Quote entsprechend niedriger aus und es werden in diesem Beispiel nur 10 (5 %) beruflich qualifizierte Personen zugelassen. Bei mehr als 20 Zulassungen in einem Studiengang muss mindestens ein Studienplatz für beruflich Qualifizierte ausgewiesen werden, wenn Bedarf besteht (also mindestens auch eine Person mit beruflichen Qualifikationen unter den Bewerbern ist).  

Für die Beratung von beruflich Qualifizierten bedeutet dies, dass keine belastbaren Aussagen zu den Aussichten auf einen Studienplatz in zulassungsbeschränkten Studiengängen möglich sind, da eine Varianz für jeden Studiengang von einem und bis zu 10% der insgesamt zugelassenen Bewerber besteht. Wenn überhaupt, dann kann dazu nur die jeweilige Hochschule basierend auf deren Erfahrungen zu den Bewerber- und Zulassungszahlen von Personen mit beruflichen Qualifikationen aus den letzten Semestern Einschätzungen abgeben. In Fällen in denen sowohl eine schulische Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fachhochschulreife) sowie eine Hochschulzugangsberechtigung über berufliche Qualifikationen (Aufstiegsfortbildungen, 3+3) vorliegt, kann die betreffende Person selbst entscheiden, welche Hochschulzugangsberechtigung sie nutzt.

In Fällen, in denen die schulische Hochschulzugangsberechtigung genutzt wird, kann die Berufsausbildung als Nachweis einer „besonderen Eignung“ genutzt werden; wodurch die Aussichten auf einen Studienplatz möglicherweise verbessert werden. Hochschulen müssen ihre Auswahlentscheidung nicht ausschließlich nach der Durchschnittsnote richten, sondern können auch die „besondere Eignung“ einfließen lassen. Eine einschlägige Berufsausbildung, Berufspraxis oder andere einschlägige Tätigkeiten können diese besondere Eignung ausmachen. Ob und inwiefern diese Regelung für einen Studiengang greift, ist im Kontakt mit der Hochschule zu erfragen.   

Des Weiteren ist wichtig zu wissen, dass mit einem Hochschulzugang über berufliche Qualifikationen davon unabhängig die Anrechnung von außerhochschulischen Kompetenzen erfolgen kann, die bspw. im Rahmen der Aus- oder Fortbildung erworben wurden. Das Verfahren der Anrechnung von außerhochschulischen Kompetenzen ist unabhängig vom Zulassungs- und Auswahlverfahren zu sehen.

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