So viele wie noch nie

An deutschen Hochschulen sind 57.000 Studentinnen und Studenten aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation eingeschrieben. Damit hat sich nach aktuellen Berechnungen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) die Zahl der Studierenden ohne Abitur oder Fachhochschulreife zwischen 2010 und 2016 mehr als verdoppelt.

Total normal

Optimistisch blickt CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele auf diesen neuen Rekordwert: „Die Kombination von Berufs- und Hochschulbildung wird immer mehr zum Normalfall. Man muss sich nicht mehr für nur einen Weg entscheiden. Gelernte Krankenpfleger oder Handwerksmeisterinnen sind heute keine Exoten mehr auf dem Campus, sondern gehören zur selbstverständlichen Vielfalt der Studierenden an deutschen Hochschulen.“

Männer sind in der untersuchten Gruppe mit 55 % etwas häufiger vertreten als Frauen (45 %). Die vorausgegangenen Berufsjahre sieht man ihnen nicht unbedingt an: Jede/-r zweite Studierende ohne Abitur ist zwischen 20 und 30 Jahre alt und liegt damit vom Alter absolut im Durchschnitt der Studierenden an deutschen Hochschulen.* Das Alter eines weiteren Drittels der beruflich qualifizierten Studierenden liegt zwischen 30 und 40. Ab 40 Jahren zeigen Frauen laut CHE etwas mehr Mut und wagen häufiger den Schritt ins Studium als Männer.

Gefragte Fachbereiche

Drei Studentinnen lernen gemeinsam auf dem Campus.

„...Handwerksmeisterinnen sind heute keine Exoten mehr auf dem Campus“

Über die Hälfte aller Studienanfängerinnen und -anfänger ohne Abitur wählt im Jahr 2016 ein Fach aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Es folgen auf der Beliebtheitsskala die Ingenieurwissenschaften mit 20 % und Humanmedizin / Gesundheitswissenschaften mit 12 %.

Spitzenreiter in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen erreicht die Anzahl der Studierenden, die sich über ihre Berufspraxis für ein Studium qualifiziert haben, 2016 einen Höchstwert. Im Vergleich der Bundesländer liegt Niedersachsen im Mittelfeld. Die meisten Studienanfängerinnen und Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung verzeichneten die Leuphana Universität Lüneburg und die Hochschule Osnabrück (Berechnungen des CHE, Daten für 2016).

Einmalig

Das Land Niedersachsen unterstützt die Öffnung der Hochschulen mit einem eigenen Förderprogramm und der bundesweit einmaligen Servicestelle Offene Hochschule Niedersachsen.


* Die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hat ergeben, dass deutsche Studierende im Schnitt 24,7 Jahre alt sind.