Gestärkt in Führung gehen

Theorie-Praxis-Verzahnung durch weiterbildungsbegleitende Angebote

von Viktoria von Prittwitz

Damit beruflich Qualifizierte ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Rahmen einer akademischen Weiterbildung vertiefen, erweitern oder erneuern können, reicht es nicht aus, ihnen durch die Öffnung von Hochschulen einen Hochschulzugang zu gestatten. Um ihnen einen Kompetenzerwerb oder eine -stärkung zu ermöglichen, gilt es außerdem, didaktische Elemente einzubeziehen, die ihre Berufserfahrung berücksichtigen (vgl. von Prittwitz und Gaffron 2017) und die beiden Lernorte „Weiterbildung“ und „Praxis“ miteinander verknüpfen (vgl. Fröhlich-Gilthoff/Nentwig-Gesemann/Pietsch 2011).

Abb. 1

Modell zur Entwicklung von Handlungskompetenz

in Anlehnung an Fröhlich-Gilthoff/Nentwig-Gesemann/Pietsch (2011) Quelle: Leuphana Universität Lüneburg/ KomPädenZ Potenzial

Im Rahmen einer Theorie-Praxis-Verzahnung soll gewährleistet werden, dass neu erlangtes Wissen zur Unterstützung des Lernprozesses in die Berufspraxis integriert wird. Zudem soll sichergestellt werden, dass das berufliche Handeln wissenschaftsorientiert begleitet und reflektiert wird. Insgesamt wird angestrebt, dass eine wechselseitige Beeinflussung stattfindet, die innovatives Denken und Handeln stimuliert, damit auch die Arbeitgebenden profitieren.

Das Lüneburger Forschungs- und Entwicklungsprojekt „KomPädenZ Potenzial“, das im Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ gefördert und von Prof. Dr. Angelika Henschel geleitet wird, hat sich dieser konzeptionellen Anforderung angenommen. Es hat zur Verknüpfung von theoretisch-fachlichem Wissen und Methodenkompetenzen mit Inhalten der Praxis u.a. ein Praxisprojekt als hochschuläquivalente Prüfungsleistung in den Zertifikatskurs „Gestärkt in Führung gehen – Frauen in Führungspositionen in der Sozialen Arbeit“ integriert.

Zertifikatskurs „Gestärkt in Führung gehen – Frauen in Führungspositionen in der Sozialen Arbeit“

Der Zertifikatskurs richtet sich an beruflich qualifizierte Frauen mit einem ersten Studienabschluss in den Bereichen der Sozialen Arbeit, den Gesundheits- oder Sozialwissenschaften. Als bedarfsorientiertes, akademisches Weiterbildungsangebot verfolgt er mittels der Vermittlung von Fachwissen und methodischem Handwerkszeug das Ziel, mehr weibliche Fachkräfte für Führungspositionen in der Sozialwirtschaft zu begeistern und zu qualifizieren. Er ist in sich abgeschlossen und zeichnet sich u.a. durch seine Anrechenbarkeit (10 CP) auf den weiterbildenden Master-Studiengang „Sozialmanagement“ der Leuphana Universität Lüneburg sowie durch eine starke Theorie-Praxis-Verzahnung aus.

2017 wurde der Zertifikatskurs in Kooperation mit dem Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide (Erwachsenenbildungsträger) in Barendorf erstmals erprobt. Er wird derzeit auf Basis der Evaluationsergebnisse überarbeitet und 2019 ein weiteres Mal angeboten.

Theorie-Praxis-Verzahnung durch Praxisprojekte

Eine Besonderheit des Kurses liegt in der Durchführung eines kursbegleitenden Praxisprojekts mit deutlichem Gender- und/oder Diversity-Bezug. Durch den konkreten Anwendungsbezug sollten die Kursinhalte Lebendigkeit wie auch Alltagsnähe erfahren und es sollte sichergestellt werden, dass das neue Wissen in das Arbeitsumfeld zurückfließt, sodass Lerneffekte für die gesamte Organisation erzielt werden.
Als erfolgreiche Projektbeispiele wurden die Ergebnisse der Kursteilnehmerinnen der ersten Erprobung inkl. weiterer Erläuterungen zum Konzept in Form einer Broschüre zusammengefasst. Diese steht auf der Webseite als Download zur Verfügung.  

Literatur

Fröhlich-Gilthoff, Klaus/ Nentwig-Gesemann, Iris/ Pietsch, Stefanie (2011): Kompetenzorientierung in der Qualifizierung frühpä-dagogischer Fachkräfte. Eine Expertise der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). München: Deutsches Jugendinstitut e.V.
Prittwitz und Gaffron, Viktoria von (2017): Gender- und diversitygerechte Didaktik der Weiterbildung zur Unterstützung des (gesellschaftlichen) Lernens. In: Angelika Henschel/ Eylert-Schwarz, Andreas/ Prittwitz und Gaffron, Viktoria von/ Rahdes, Si-mon (Hrsg.): Karrierewege eröffnen: Gender- und diversityreflexive Zugänge für beruflich Qualifizierte der Sozialen Arbeit zur akademischen (Weiter-)Bildung. Münster: Waxmann, S. 117–137.

Ansprechpartnerin

Viktoria von Prittwitz
FuE-Projekt „KomPädenZ Potenzial"
Leuphana Universität Lüneburg
Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
Universitätsallee 1, C 1.302
21335 Lüneburg
Telefon 04131 677-1609
E-Mail: viktoria.von_prittwitz@leuphana.de
http://www.leuphana.de/kompaedenz-potenzial