Perspektiven trotz Studienabbruch

von Johanna Kuchling-Pietrek

„Drei Jahre lang hat sich Mike aus seinem Studium der Wirtschaftsinformatik ‚geschlichen‘.“ – So beginnt eine der Erfolgsgeschichten auf dem Blog des Projekts „Wegbereiter – Perspektiven trotz Studienabbruch“. Das Projekt berät seit August 2016 Studienzweifelnde und -abbrechende der vier Hochschulen TU Braunschweig, HBK Braunschweig, Ostfalia Hochschule und TU Clausthal. Gleichzeitig baut das Projekt ein regionales Netzwerk auf und sensibilisiert inner- und außerhochschulische Bildungsberatungseinrichtungen für das Thema. Ziel ist es, die Ratsuchenden innerhalb des Netzwerkes an die richtigen Stellen zu verweisen. Im Blog werden die Geschichten der Ratsuchenden porträtiert. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Entscheidungsprozesse mit und ohne Studienabschluss verlaufen können.

Den bestmöglichen Weg finden

Ramona war eine der Ersten. Mit 29 Jahren stand sie nach 16 Semestern vor der Frage, ob ein Weitermachen im Masterstudium der Geoökologie sie noch ans Ziel bringen würde. Aber welches Ziel überhaupt?

Marcus Voitel, Johanna Kuchling-Pietrek und Inga Möller

Das Wegbereiter-Team öffnet durch Beratung neue Türen.

„Beim Gedanken an die Zeit nach dem Studium fühlte ich eine große Leere im Kopf, ich konnte (und wollte?) sie nicht mit einem ‚Nach-Studium-Leben‘ füllen“, berichtet Ramona heute, über ein Jahr später. Sie stellte alles infrage. Mithilfe der Wegbereiter und Angeboten aus dem Netzwerk wie dem Career Service sowie dem Gleichstellungsbüro der TU Braunschweig konnte sie ihre Sorgen und Ängste in Wünsche und Ziele umwandeln, und so schließlich „den für mich bestmöglichen Weg finden“.

Die Frage nach dem Ziel ist häufig eine der ersten, die das Wegbereiter-Team, bestehend aus Johanna Kuchling-Pietrek, Inga Möller und Marcus Voitel, in den ergebnisoffenen Einzelgesprächen stellt. Daria, ehemalige Studentin der Ostfalia, war von dieser Frage überrascht. Sie kam in die Beratung nachdem sie eine Prüfung im Drittversuch final nicht bestanden hatte. „Ein Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte, war halt die mangelnde Motivation, ein neues Studium anzugehen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich gedacht: ‚Du bist zu doof für ein Studium! Das hat jetzt nicht geklappt, also machst du halt eine Ausbildung.‘“ Durch die Beratung sollte sie diese Entscheidung und Haltung noch einmal überprüfen.

Das Ich stärken und Perspektiven entdecken

So geht es in den Wegbereiter-Geschichten um das Wiederfinden von Selbstwirksamkeit, indem Perspektiven aufgezeigt werden. Einig sind sich die Ratsuchenden darin, dass der Schritt, Beratung aufzusuchen, ihnen neue Türen geöffnet hat. Sie appellieren an die aktuell Zweifelnden, es ihnen gleichzutun. Egal wie die Entscheidung ausfällt, hilft es den meisten, auch auf die Vergangenheit wertschätzend zurückzuschauen. So wie David, der letztlich Studienfach und Hochschule gewechselt hat: „Ich habe während meines Studiums an der TU Braunschweig Leute kennengelernt, die immer noch zu meinem engsten Freundeskreis zählen und habe Erfahrungen gemacht, die prägend und wichtig für meinen weiteren Weg waren und sind, auf dem ich zu neuen Ufern aufgebrochen bin.“ Inzwischen wurde das Beratungsangebot von über 310 Ratsuchenden wahrgenommen.

Den Wegbereiter-Blog finden Sie unter: www.wegbereiter-studienabbruch.de

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