Finanzierung des Studiums

Für beruflich Qualifizierte birgt die besondere Lebenssituation, ein Studium parallel oder nach einer Phase erster Berufstätigkeit aufzunehmen, einige Herausforderungen. Möglicherweise fallen höhere Lebenshaltungskosten an, als dies bei Studierenden der Fall ist, die direkt nach dem Schulabschluss in Vollzeit studieren. Nicht selten ist das gewählte Studienprogramm zudem kostenpflichtig.

Zunächst gilt es den persönlichen Finanzbedarf zu ermitteln, dabei hilft die Übersicht des CHE.  

Naheliegend ist die Option, während des Studiums im erlernten Beruf bzw. im aktuellen Arbeitsverhältnis zu verbleiben. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber! Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen, Ihren Studienwunsch mit der Berufstätigkeit zu vereinen und umzusetzen. Möglicherweise lässt sich die Wochenarbeitszeit reduzieren oder Ihr Arbeitgeber kann Sie in herausfordernden Studienphasen (z. B. für Leistungsnachweise) entlasten.

Kleingeld im Portemonnaie

Die Studienfinanzierung ist oft eine Herausforderung.

In der Broschüre „Fachkräfte qualifizieren“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finden Sie Hinweise für sich und Ihren Arbeitgeber oder Ihre Arbeitgeberin zum berufsbegleitenden Studium. Ab Seite 6 finden Sie Informationen, wie Sie durch die Unterstützung Ihres Arbeitgebers die Finanzierung des Studiums sicherstellen können. 

Eine Fremdfinanzierung in Form eines Darlehens sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn die Eigenmittel zur Deckung des Lebensunterhalts nicht ausreichen.

Auf nachstehende Finanzierungsmöglichkeiten gehen wir im Folgenden ein:

  1. BAföG 
  2. KfW-Studienkredit
  3. Bildungskredit
  4. Stipendien
  5. Bildungsfonds

 

1. BAföG

Bei Master-Studiengängen wird BAföG bis zum 35. Lebensjahr gewährt. In allen anderen Fällen liegt die Altersgrenze bei 30 Jahren (§ 10 BAföG). Dies bedeutet, dass die Ausbildung bereits vor Beendigung des 30. bzw. 35. Lebensjahres begonnen werden musste.

Für Studieninteressierte, die ihre Hochschulzugangsberechtigung allein aufgrund ihrer/seiner beruflichen Qualifikation (studieren ohne Abitur) erworben haben, gilt eine Sonderregelung. In diesen Fällen ist eine BAföG-Förderung auch über die Altersgrenze hinaus möglich und erfolgt elternunabhängig (§ 10 Absatz 3, 1a BAföG). Genauer hinsehen lohnt!

Eine gute Adresse für Fragen zur Finanzierung sind grundsätzlich die Beratungsstellen des Studentenwerks der Hochschulen. Eine Übersicht der zuständigen Studentenwerke der niedersächsischen Hochschulen finden Sie auf studieren-in-niedersachsen.de. Passende Ansprechpartner für Fragen zur Studienfinanzierung finden Sie auf den Webseiten der Studentenwerke unter Suchbegriffen wie Finanzen, Finanzierung, BaFöG, Stipendium, Studienkredit etc.

Möglicherweise haben Sie während Ihres Studiums auch Anspruch auf Sozialleistungen wie z. B. Wohngeld. Die Sozialberatung des Studentenwerks informiert dazu. Detaillierte Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und Altersgrenzen des BAföG-Anspruchs finden Sie auf bafög.de.

2. KfW-Studienkredit

Der KfW-Studienkredit bietet Studierenden (unabhängig vom BAföG) eine zusätzliche Möglichkeit der Studienfinanzierung, ohne Prüfung der eigenen Einkommens- oder Vermögensverhältnisse oder derjenigen der Eltern.

Gefördert werden können Sie, wenn sie

  • 18 bis 44 Jahre alt sind und
  • an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule mit Sitz in Deutschland
  • in Teilzeit, Vollzeit oder berufsbegleitend studieren.

Achtung: Viele private Banken bieten spezielle Kredite für Studierende mit sehr unterschiedlichen Bedingungen an. Hier muss man ganz genau hinsehen, Modalitäten klären und Angebote einholen bzw. detailliert vergleichen!

3. Bildungskredit

Mit dem Bildungskreditprogramm der Bundesregierung wird Studierenden in fortgeschrittenen Ausbildungsphasen ein zeitlich befristeter, zinsgünstiger Kredit angeboten, der neben oder zusätzlich zum BAföG in Anspruch genommen werden kann.

Der Bildungskredit steht also sowohl BAföG-EmpfängerInnen als auch Studierenden, die kein BAföG erhalten, zur Verfügung. Er ist als zusätzliche Hilfe in besonderen Situationen gedacht, also z. B. für die Finanzierung von Studienmaterialien, Exkursionen, Studienaufenthalten oder Praktika im Ausland.

Antragsberechtigt sind Studierende in fortgeschrittenen Studienphasen, die sich also z. B. im Haupt- oder Masterstudium befinden und das 36. Lebensjahr nicht überschritten haben. Einkommen und Vermögen des Studierenden, der Eltern, des Ehe- bzw- Lebenspartners spielen für die Vergabe des Bildungskredits keine Rolle!

Detaillierte Informationen zu den Förderbestimmungen finden Sie auf der Homepage des Bundesverwaltungsamts.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) aktualisiert jährlich einen Testbericht zu Studienkrediten sowie Bildungsfonds in Deutschland.

4. Stipendien

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt Berufserfahrene mit zwei Förderprogrammen,

Ziel der beiden Förderprogramme ist es, Berufserfahrene darin zu unterstützen, sich weiterzuentwickeln und Spitzenfachkräfte auf ihrem Gebiet zu werden. Dabei richtet sich das Aufstiegsstipendium besonders an motivierte Berufstätige, die sich mit einem Hochschulstudium beruflich und persönlich weiterentwickeln möchten. Das Weiterbildungsstipendium ist dazu gedacht, sich nach erfolgreicher Ausbildung, beruflich weiterzuentwickeln. Die finanzielle Unterstützung soll junge Fachkräfte ermutigen, durch Weiterbildung den Grundstein für beruflichen Erfolg zu legen.  

Die Stipendienlandschaft in Deutschland ist wesentlich bunter und vielfältiger, als die meisten glauben. Neben den großen Förderungswerken der Begabtenförderung, zu denen die Studienstiftung des Deutschen Volkes, die parteinahen und die konfessionellen Stiftungen sowie die Stiftungen der Sozialpartner gehören, gibt es in Deutschland über 4.300 weitere Förderprogramme für Studenten von mehr als 1.700 unterschiedlichen Stiftungen.

Zudem werden begabte und leistungsstarke Studierende aller Fächer an den staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland durch das Deutschlandstipendium gefördert. Neben überzeugenden Noten werden gesellschaftliches Engagement und besondere persönliche Leistungen berücksichtigt - etwa die erfolgreiche Überwindung von Hürden in der eigenen Bildungsbiografie. Ein Blick auf die Förderbestimmungen lohnt sich!

Auf Datenbanken wie stipendienlotse.de und mystipendium.de können sich Interessierte einen guten Überblick über die Förderprogramme verschaffen.

Neben den bundesweit bekannten Stipendienprogrammen gibt es vor Ort an Ihrer Hochschule möglicherweise weitere regionale Stipendien, Studienpreise und spezielle Förderangebote. Informationen dazu finden Sie in der Beratungsstelle des Studentenwerks Ihrer Hochschule oder auf der entsprechenden Internetseite.

5. Bildungsfonds

Bildungsfonds sind eine Art der Studienfinanzierung. Bei den Anbietern kann man institutionelle sowie private Anbieter (Firmen oder Hochschulen) unterscheiden. Außerdem bieten verschiedene Bildungsfonds noch Zusatzservices wie Soft-Skill-Entwicklung, Firmenkontakte, oder andere berufsvorbereitende Kurse an. Hierbei gibt es zwei unterschiedliche Ausprägungsformen.

Gewerbliche, bundesweite Anbieter wie Deutsche Bildung oder CareerConcept, arbeiten mit Gewinnerzielungsabsicht.
Auf der anderen Seite gibt es hochschuleigene (z.B. TU München) oder fächerübergreifende Bildungsfonds (Festo Bildungsfonds im MINT Bereich), die aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus angeboten werden.

Einen Test unterschiedlicher Studienkredite sowie Bildungsfonds aktualisiert jährlich das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).